Der Möbelhausbesuch - ein Drama in drei Akten

Eine Woche Urlaub liegt hinter uns. Ok, Urlaub ist wohl etwas zu viel gesagt. Wir waren eine Woche nicht im Büro - Arbeit hatten wir aber trotzdem genug. Ach, was haben wir uns nicht alles vorgenommen.... Gardinen und dazu passende Stangen kaufen und montieren, Lampen kaufen und montieren, Bilder aufhängen, ein bisschen entspannen, endlich mal Eislaufen gehen, ein gemeinsamer Wien-Tag inkl. Bummeln gehen und schick essen gehen, ins Kino gehen, einen Thermentag, und und und. Und was haben wir tatsächlich gemacht? Wir waren im schwedischen Möbelhaus - öfters. Jedes Mal aufs Neue ist es wieder eine Beziehungsprobe. Der Göttergatte und ich haben einfach nicht die gleiche Vorstellung eines Möbelhausbesuches. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt - bzw. vielleicht gehts euch ja auch so (Ikea-Selbsthilfegruppe hallo) - hier unser Möbelhausdrama in drei Akten:

1. Akt: Der einzug

Das Drama beginnt meist schon bei der Parkplatzsuche. Parkplatz im überdachten Bereich? Fehlanzeige. Da stehen schon 5.000 andere Personen und beladen ihre meist viel zu kleinen Fahrzeuge mit überdimensional großen Kleiderkästen und Matratzen. Schon von weitem erkennt man auch als Halbblinder, dass sich das in hundert Jahren nicht ausgeht. Man wartet, auf den ein oder anderen Parkplatz, gibt aber auf sobald man den Einkaufswagen bzw. die Einkaufswägen sieht. Also noch ein Runde, und noch eine Runde und dann noch eine. Irgendwann erblickt man dann einen. Dieses Mal war es nicht so schlimm, da wir am Montag um die Mittagszeit ankamen. Da ja eigentlich zu dieser Zeit der Großteil ihren Jobs nachgeht und vermutlich nicht shoppen ist. Falsch gedacht - der überdachte Bereich zum Bersten voll. Aber wir hatten Glück. Parkplatzsuche check!

 

Voller Elan und Hand in Hand schlendern wir also Richtung Eingang. Dann  kommt er, der fragende Blick des Göttergatten. Rolltreppe rauf und durch die GESAMTE Möbelausstellung oder doch die Abkürzung durch die Markthalle? Nix da - da muss er jetzt durch. Rauf mit der Rolltreppe und rein ins Getümmel. Wir haben da eine Liste abzuarbeiten, die es in sich hat. Der Göttergatte verdreht schnaufend die Augen, geht aber mit. 

Ich finde es ja immer wieder herrlich durch die Möbelausstellung zu schlendern. Diese vielen Ideen und Inspirationen - einfach ein Traum! Regale, Teppiche, Pflanzen, Sofas - alles so toll aufgebaut und dekoriert. Das lässt mein Herz höher schlagen. Vor allem da unser Haus ja noch so einiges an Deko vertragen könnt. Ach, einfach herrlich! Deswegen muss ich den Göttergatten auch immer wieder auf das ein oder andere Accessoire aufmerksam machen, wie toll es sich doch bei uns machen würde. Was meint er dazu? "Steht das auf unserer Liste? Nein - eben. Weiter gehts..." Ein kurzer Augenverdreher meinerseits, aber naja, so sind sie halt die Männer. Kein Auge fürs Detail ;) Aber wofür er Augen hat, sind die Abkürzungsschilder, die an der Decke angebracht sind. Kaum sieht er eins, würde er am liebsten die Flucht in die Abkürzung ergreifen. Blöd halt, dass er immer diese Abteilung abkürzen möchte, die wir dringend brauchen. Wenn er schon nicht abkürzen kann, dann wird er halt einfach immer schneller und schneller, so dass wir die Sofas, Schlafzimmer, Esszimmer- und Küchenabteilung quasi fliegend hinter uns lassen. Man kann sich das wie auf der Autobahn vorstellen, wenn die grünen Wiesen und Lärmschutzwände nur so an einem vorbeifliegen ;) Der erste Zwischenstopp: Restaurant. Ich frag ganz nett ob wir uns nicht einen kleinen Snack gönnen wollen. Nichts schlimmeres als mit einem hungrigen Mann an seiner Seite durch die Markthalle zu müssen. 

Frisch gestärkt erklimmen wir also die Stufen der Markthallen-Hölle. Runter gehts in den Albtraum meines Göttergatten. Ganz langsam steigen wir die Stufen hinab. Schnell durch die Gläser-Teller-Aufbewahrungshölle. Dann überqueren wir die Grenze - die Grenze zur Vorhänge-Teppich-Hölle. Hier beginnt der 2. Akt - der Höhepunkt des Möbelhausdramas.

2. Akt: Die schwedische Hölle beginnt bei den Teppichen

Auf wundersame Weise überkommt den Göttergatten beim Betreten der Textilabteilung ein Gefühl, das sich schwer beschreiben lässt. Aber ich glaube am besten trifft es das Wort "HASS". Jedes Mal wenn wir dort sind - aber wirklich ein jedes Mal. Normalerweise brauchen wir dort nichts. Aber an diesem besagten Montag war es so weit: wir brauchten Vorhänge und Gardinenstangen. Das hieß, wir verbrachten dort viel Zeit - zu viel Zeit! 

Bereits nach kürzester Zeit , hat die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht. Die Gardinenstangen waren im Einkaufswagen - alle Teile, die zur Montage nötig waren, ebenfalls. Auf meine Frage hin, welche weißen Vorhänge ihm auch gefallen würden, bekam ich nur einen bösen Blick zugeworfen. "Mir egal - nimm einfach irgendwelche!". Mit seinem Stresslevel, steigt auch mein Stresslevel. Keine gute Kombination! Weiter geht's in die nächste Abteilung, die dem Göttergatten nach der Teufel höchstpersönlich erschuf: die Lampenabteilung. Wie viele Stunden haben wir dort schon verbracht nach denen wir OHNE Lampe wieder raus gingen. Unzählbare! Unser Geschmäcker sind halt einfach verschieden... dieses Mal haben wir dann doch wenigstens eine Lampe entdeckt, mit der wir beide leben können. Juhuuu - jetzt brauchen wir nur noch 10!!! Ein kleiner Teilerfolg ist also zu verbuchen!

3. Akt: Die Tragödie nimmt ihren Lauf

Der endgültige Stimmungshöhepunkt ist - wie bei jedem Ikea-Besuch - in der Pflanzenabteilung an der Schwelle zur Lagerhalle. Der Göttergatte flüchtete aus der grünen Hölle der Palmen und Orchideen. Ich hab ihn nicht mehr gesehen... als ich plötzlich ein kleines Kind sagen hörte "Schau Mama, dieser Mann ist schon sehr müde". Da sah ich ihn, wie er völlig erschöpft auf einem kleinen Sofa am Eingang der Lagerhalle saß bzw. eher hängte. Es war eine Mischung aus Erschöpfung und purem Hass. Da bekam ich dann doch Mitleid und ich wusste, ich muss ihn aus seinem Elend befreien. Aber zuvor überlegte ich einen kurzen Augenblick, ob ich nicht doch noch ein Foto von meinem kleinen Häufchen Elend machen soll. (Dieses hätte ich ansonsten an dieser Stelle eingefügt :)  ) Aber nein, so bös bin ich dann doch nicht. Und ehrlich gesagt haben mir nach Stunden des Herumlaufens auch schon dermaßen die Füße weh getan, dass ich auch schon froh war, endlich draußen zu sein. Aber zugegeben hätt ich es nie - schon gar nicht dem Göttergatten gegenüber. Also half ich ihm auf und wir sprinteten mit letzten Kräften zur Kasse um diesem Drama ein Ende zu machen! 

So guter Letzt muss man sagen, dass das Leben ja viel zu langweilig wäre, wenn immer nur alles eitler Sonnenschein wär. Gott sei Dank können wir beide über solche Situationen lachen - und am Ende des Tages waren wir dann beide froh, dass wir so schnell nicht mehr hin müssen. Die nächste Vorstellung des Möbelhausdramas wurde auf unbestimmte Zeit verschoben ;)

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